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Aquakultur-Report: LEH im Tierschutz-Check

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist beim Tierschutz in Aquakultur weiter, als seine öffentlichen Einkaufsrichtlinien vermuten lassen. 96 % der von uns untersuchten Eigenmarkenprodukte sind erkennbar zertifiziert. Jetzt gilt es, diesen Stand verbindlich abzusichern und auf das gesamte Sortiment auszuweiten.

Für den Aquakultur-Report 2026 haben wir erstmals systematisch untersucht, welche Tierschutzstandards sich die acht größten deutschen Supermärkte und Discounter für Fische, Krebse und Weichtiere in Aquakultur gegeben haben – und wie konsequent diese für VerbraucherInnen erkennbar im Regal ankommen.

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Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • 96 % der untersuchten Eigenmarkenprodukte sind erkennbar zertifiziert (ASC, GGN, Naturland oder EU-Bio) – die Unterschiede zwischen den Händlern sind dabei gering.
  • Kein Händler verpflichtet sich verbindlich und ohne Einschränkungen, den erreichten Zertifizierungsstand für alle Tiere aus Aquakultur beizubehalten.
  • Kein Händler hat konkrete und verbindliche Ziele, sein Sortiment vollständig zu zertifizieren – insbesondere Herstellermarken und Aktionsware bleiben meist unerwähnt.
  • Nur zwei Händler (Edeka und Netto Marken-Discount) schließen aktuell öffentlich den Handel mit Oktopussen und anderen Kopffüßern aus Aquakultur aus, zwei weitere (Rewe und Penny) lediglich Oktopusse – jeweils nur für Eigenmarken.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Aquakultur-Policy zu überprüfen, Lücken zu identifizieren und konkrete nächste Schritte festzulegen.

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Tierschutzstandards für Aquakultur: Der Handel ist gefragt

Fische und andere Tiere aus Aquakultur gehören längst zum Standardsortiment des deutschen Lebensmittelhandels. 2024 stammten laut FAO weltweit bereits mehr als 59 % der für den menschlichen Verzehr bestimmten aquatischen Tierproduktion aus Aquakultur – Tendenz steigend. Gleichzeitig fehlen in vielen Hauptproduktionsländern umfassende gesetzliche Vorgaben zu Haltung und Schlachtung der Tiere. Supermärkte und Discounter können deshalb einen entscheidenden Unterschied machen: mit Einkaufsrichtlinien, die wirksame Mindeststandards verbindlich voraussetzen.

Praktikable Tierschutzstandards sind bereits vorhanden – auch dank der Arbeit der Aquaculture Welfare Standards Initiative (AWSI), die wir ins Leben gerufen haben. Die vier wichtigsten Zertifikate für Aquakulturprodukte – ASC, GGN, Naturland und EU-Bio – decken die Basisempfehlungen der AWSI mittlerweile ab. Wir haben daher untersucht, ob Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny und Rewe verbindliche Ziele formuliert haben, ihr gesamtes Sortiment vollständig zu zertifizieren, und wie der Zertifizierungsstand bei den Eigenmarken ist.

96 % der Eigenmarkenprodukte sind erkennbar zertifiziert

Insgesamt haben wir 314 Eigenmarkenprodukte untersucht. 302 davon (96 %) trugen auf der Verpackung erkennbar eine Zertifizierung nach ASC, GGN, Naturland oder EU-Bio.

Grafik zum Aquakultur-Report 2026: Gesamtzertifizierungsstand und Aufteilung nach Zertifikaten bei den Eigenmarkenprodukten aus Aquakultur der acht größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler.

Die Unterschiede zwischen den Händlern sind vergleichsweise gering: Der Anteil reicht von 90 % bei Edeka bis 100 % bei Rewe. Bei den Eigenmarken ist der Lebensmitteleinzelhandel damit bereits weit gekommen.

Tabelle zum Aquakultur-Report 2026: Auswertung der Zertifizierung von Eigenmarkenprodukten aus Aquakultur der acht größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler.

Zertifizierungslücken sind vermeidbar

Bei fast allen Spezies, von denen wir Produkte ohne erkennbare Zertifizierung gefunden haben, boten die betreffenden Supermärkte und Discounter gleichzeitig zertifizierte Varianten an. Die Lücken lassen sich daher nicht allein mit fehlender Verfügbarkeit erklären.

Tabelle zum Aquakultur-Report 2026: Auswertung der Zertifizierung von Eigenmarkenprodukten aus Aquakultur der acht größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler, aufgeschlüsselt nach Spezies.

Zudem zeigte sich, dass Zertifikate zum Teil nicht auf der Verpackung ausgewiesen waren. Tierschutzstandards sollten jedoch nicht nur umgesetzt, sondern auch transparent und überprüfbar kommuniziert werden, damit sie Verbindlichkeit und Signalwirkung entfalten können.

Die Einkaufsrichtlinien sind zu vage

Bei den öffentlichen Policies besteht noch deutlicher Handlungsbedarf. Häufig fehlen verbindliche Ziele mit Fristen, die alle relevanten Sortimentsbereiche, insbesondere Markenprodukte und Aktionsware, sowie Spezies erfassen – sowie Zusagen, den erreichten Zertifizierungsstand dauerhaft abzusichern.

Auch schließen nicht alle Unternehmen aus, Oktopusse und andere Kopffüßer aus Aquakultur zu verkaufen – Tiere, für die diese Form der Haltung besonders leidvoll ist. Noch gibt es keine wirtschaftlich lohnende Aquakulturindustrie mit Kopffüßern. Es wird jedoch darauf hingearbeitet.

Keines der acht untersuchten Unternehmen erfüllt bislang alle unsere Anforderungen an eine wirksame Tierschutzpolicy für Aquakultur.

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Tabelle zum Aquakultur-Report 2026: Auswertung der Tierschutz-Policies für Aquakultur der acht größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler.

Was der deutsche Lebensmitteleinzelhandel bis 2030 schaffen sollte

Die Ausgangslage ist gut: Der Handel hat bei der Zertifizierung von Eigenmarken bereits viel erreicht. Jetzt gilt es, diesen Stand verbindlich abzusichern, bestehende Lücken zu schließen und den Tierschutz weiter voranzubringen. Bis 2030 sollte der deutsche Lebensmitteleinzelhandel deshalb vier zentrale Ziele erreichen:

  • 100 % erkennbar zertifizierte Aquakulturware

    Alle Produkte aus Aquakultur sollten nach ASC, GGN, Naturland oder EU-Bio zertifiziert und entsprechend gekennzeichnet sein. Das gilt sowohl für Eigenmarken als auch für angebotene Markenprodukte und Aktionsware.

  • Oktopusse und andere Kopffüßer aus Aquakultur dauerhaft ausschließen

    Die kommerzielle Aquakulturmast dieser Tiere ist hochproblematisch. Solange kein noch etablierter Markt besteht, können Händler dessen Entstehung durch verbindliche Einkaufsrichtlinien verhindern.

  • Jährlich transparent berichten

    Unternehmen sollten detailliert und öffentlich über den Anteil zertifizierter Produkte entsprechend dem zuvor definierten Geltungsbereich berichten.

  • Pflanzliche Alternativen verbessern und ausbauen

    Mehr Tierschutz bedeutet auch, Alternativen zu Tierprodukten anzubieten.

Wir unterstützen Unternehmen bei der Umsetzung

Höhere Tierschutzstandards entstehen an zwei Enden der Lieferkette:

Die Aquaculture Welfare Standards Initiative (AWSI) setzt bei der Erzeugung an. Sie entwickelt die fachliche Grundlage der Basisempfehlungen und begleitet Produzenten und Zertifizierer durch Vernetzung und Schulungen bei der Umstellung.

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt unterstützt Handel und Markenhersteller auf der Einkaufsseite. Wir begleiten Unternehmen bei:

  • der Formulierung wirksamer Einkaufsrichtlinien,
  • der Festlegung von Geltungsbereichen und Fristen,
  • dem Aufbau einer nachvollziehbaren Berichterstattung sowie
  • der Optimierung des pflanzlichen Sortiments mit unserem Programm Plant Potential.

„Der Aquakultur-Report 2026 zeigt, wo die Unternehmen stehen und was als Nächstes zu tun ist. Wir beraten und begleiten die Händler gerne auf diesem Weg zu mehr Tierschutz.“
Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt

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Das braucht eine wirksame Tierschutz-Policy für Aquakultur

Geltungsbereich benennen

  • Eigenmarken und Herstellermarken, alle Lieferanten
  • alle Sortimentsbereiche: Kühlung, Tiefkühlung, Konserven, Aktionsware, ggf. Theke
  • alle erfassten Spezies konkret benennen, keine unspezifischen Sammelbegriffe wie „Meeresfrüchte" oder „Schalentiere"

Ziele messbar formulieren

  • 100 % zertifizierte Ware nach ASC, GGN/GlobalG.A.P., Naturland oder EU-Bio
  • Zieljahr nennen
  • Maßnahmen und Zwischenschritte, die dorthin führen
  • klar trennen, was bereits umgesetzt ist und was noch Ziel ist

Verbindlich formulieren

  • konkret, präzise und in verständlicher Sprache
  • ohne abschwächende Zusätze wie „sofern verfügbar" oder „abhängig von der Nachfrage"
  • erreichte Zertifizierungsstände ausdrücklich auch für die Zukunft zusichern

Ausschlüsse festhalten

  • Oktopusse und andere Kopffüßer aus Aquakultur
  • weitere ausgeschlossene Produktionsmethoden, z. B. Augenstielablation, in einer Negativliste bündeln

Umsetzung überprüfen und Transparenz herstellen

  • kontrollieren, ob die Vorgaben in allen Sortimentsbereichen und Filialen ankommen
  • alle zertifizierten Waren transparent auf den Produktverpackungen kennzeichnen
  • jährlich öffentlich über den Anteil zertifizierter Produkte entsprechend dem zuvor definierten Geltungsbereich berichten

Richtlinie pflegen

  • eine öffentlich zugängliche, datierte Richtlinie statt verstreuter Einzelaussagen – optimal in den allgemeinen Einkaufsrichtlinien für tierische Produkte
  • mindestens alle zwei Jahre aktualisieren

Warum Tierschutz in Aquakultur wichtig ist

Foto einer Anlage mit mehreren Netzgehegen vor einer Küste mit Blick von oben in eines der Gehege, in dem ein Schwarm Fische die Wasseroberfläche aufwühlt.

2024 wurden weltweit 102,7 Millionen Tonnen Tiere in Aquakultur gehalten – das sind Hunderte Milliarden Tiere verschiedenster Spezies, neben Fischen vor allem Garnelen und Muscheln. Für viele dieser Tiere gibt es keine umfassenden Tierschutz- und Haltungsvorgaben, insbesondere in einigen der Hauptproduktionsländer. Deshalb sind globale verbindliche Mindeststandards, auch für Importware, unerlässlich. Deutschland importiert mehr als vier Fünftel der hierzulande verbrauchten Mengen.

Tierschutzprobleme in Aquakultur:

  • unzureichende Wasserqualität
  • Krankheiten und Parasitenbefall
  • Fütterung mit nicht tiergerechtem Futter
  • Futterentzug vor Transport und Schlachtung
  • Einsatz von Fischmehl und Fischöl im Futter
  • mangelnde Sorgfalt bei Handling und Transport
  • Augenstielablation bei weiblichen Zuchtgarnelen
  • zu hohe Besatzdichten
  • reizarme Haltungsumgebung
  • Ausbruch aus Zuchtanlagen

Für die Tiere bedeutet das: Stress, Leiden und Schmerzen bis hin zum frühen Tod. Für die Mast von Raubfischen werden zudem große Mengen weiterer Tiere als Futter getötet.

Mindeststandards für mehr Tierschutz in Aquakultur

Die Basisempfehlungen der AWSI umfassen fünf zentrale Bereiche.

  1. Wasserqualität
  2. tierartgerechte Fütterung
  3. Umgang mit dem Tier (Handling)
  4. Transport
  5. artspezifische Betäubung und Schlachtung

Der Aquakultur-Report untersucht die öffentlichen Tierschutzanforderungen der acht umsatzstärksten Supermärkte und Discounter in Deutschland (Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny, Rewe) und überprüft anhand von Produktstichproben, ob diese Standards erkennbar im Regal ankommen.

Alle untersuchten Unternehmen wurden vorab über die Untersuchung informiert.

Analyse der öffentlichen Policies

Ausgewertet wurden ausschließlich öffentliche Informationen wie Einkaufsrichtlinien, Geschäftsberichte, Websites und andere frei zugängliche Quellen. Die Dokumente wurden zwischen dem 31. Mai und 15. Juli 2026 erfasst.

Produktstichproben

Zwischen dem 23. Mai und 15. Juli 2026 wurden mindestens zwei große Filialen je Händler in unterschiedlichen Regionen Deutschlands besucht.

Dokumentiert wurden vorgefundene Aquakulturprodukte der Eigenmarken aus den Bereichen Kühlung, Tiefkühlung, Konserven und Aktionsware. Babynahrung, Snacks, Tiernahrung und Bedientheken wurden nicht erfasst.

Insgesamt gingen 314 unterschiedliche Eigenmarkenprodukte in die Untersuchung ein. Entscheidend war, ob auf der Verpackung eine Zertifizierung nach ASC, GGN, Naturland oder EU-Bio klar erkennbar war.

Aldi Süd und die Edeka-Gruppe haben nach Abschluss der Untersuchung Zertifizierungsnachweise nachgereicht, die auf den jeweiligen Verpackungen nicht erkennbar waren. Diese Nachweise sind nicht in die Auswertung eingeflossen. Für VerbraucherInnen sind nicht sichtbare Zertifizierungen ebenso wenig überprüfbar wie nicht öffentlich kommunizierte Einkaufspraktiken.