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Der Business Benchmark on Farm Animal Welfare 2021

Seit zehn Jahren vergleicht der Business Benchmark on Farm Animal Welfare (BBFAW) Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, indem er ihre Tierschutz-Maßnahmen genau unter die Lupe nimmt. Der aktuelle Report zeigt, dass die meisten Unternehmen zu langsam sind, wenn es um die Umsetzung sinnvoller Verbesserungen geht.

Das Benchmarking 2021 im Überblick

Insgesamt vergleicht der BBFAW 150 Unternehmen aus den Branchen »Handel«, »Lebensmittelproduktion« sowie »Restaurants und Bars«. Die Unternehmen werden anhand von 37 Fragen bewertet, welche die Themenbereiche »Management Commitment«, »Governance and Management«, »Innovation and Leadership« sowie »Performance Reporting and Impact« abdecken. Mit ihrem Gesamtergebnis landen die Unternehmen auf einer von sechs Bewertungsstufen. Auf die beste Stufe (1) haben es in diesem Jahr vier Unternehmen geschafft: Marks & Spencer, Noble Foods, Premier Foods und Waitrose.

Was bewirken die Unternehmen tatsächlich?

Einige Fragen bilden außerdem die Basis für das »Impact Rating«, das im BBFAW 2021 erstmals veröffentlicht wurde. Dieses Rating ist sechsstufig (A bis F). Mit ihm lässt sich der konkrete Impact der von den Unternehmen veröffentlichten Policies überprüfen. Beispielsweise wird hier abgefragt, wie viel Prozent der Tiere in der Lieferkette vor der Schlachtung betäubt werden, wie viel Prozent des produzierten Hühnerfleischs von weniger hochgezüchteten Rassen stammt oder wie viele Tiere in der Haltung stark in ihrer Bewegung eingeschränkt sind.

Bemerkenswert: Kein einziges Unternehmen hat es auf die beste Stufe (A) geschafft. Nur fünf Unternehmen erhielten ein »B«: Greggs, Marks & Spencer, Noble Foods, Premier Foods und Waitrose. Tatsächlich befinden sich die meisten Unternehmen auf Stufe F. Sie sind also nicht in der Lage, nachzuweisen, dass sie tatsächlich konkrete Verbesserungen für die Tiere bewirken.

Ergebnisse BBFAW
© Business Benchmark on Farm Animal Welfare 2021

Die detaillierten Ergebnisse des BBFAW können Sie sich auch hier in interaktiver Form anschauen.

Positive Tendenzen, aber starker Verbesserungsbedarf

Der BBFAW 2021 zeigt, dass mittlerweile eine große Mehrzahl der Unternehmen den Schutz landwirtschaftlich genutzter Tiere als Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie begreifen. 81 % von ihnen haben offizielle Policies und Ziele für den Tierschutz formuliert – eine Steigerung von 53 % im Vergleich zu 2012. Eine gewisse positive Tendenz ist hier also zu bemerken.

Jedoch macht das neue »Impact Rating« des BBFAW deutlich, dass die meisten Unternehmen schlicht zu langsam sind und ihren Worten zu wenige Taten folgen lassen. Sie haben es bislang nicht geschafft, sinnvolle Maßnahmen zu implementieren, die das Leben der Tiere in ihrer Wertschöpfungskette weniger qualvoll gestalten.

Wie schneiden Unternehmen in Deutschland ab?

Im BBFAW werden 17 Unternehmen bewertet, die in Deutschland ansässig bzw. auf dem deutschen Markt vertreten sind. Leider hat es keines dieser Unternehmen an die Spitze des Benchmarkings (Stufe 1 oder 2) geschafft. Der Buchstabe in Klammern gibt das »Impact Rating« an:

  • Auf Stufe 3 landen (unverändert im Vergleich zum letzten BBFAW) Aldi Nord (E), Aldi Süd (E), die Compass Group (E), Domino’s Pizza (D), Yum! (E) und Vion (F).
  • Nestlé ist von Stufe 2 auf Stufe 3 gefallen (C).
  • Unverändert auf Stufe 4 befinden sich Edeka (F), Tönnies (F) und Aramark (F).
  • Diese Unternehmen sind von Stufe 3 abgestiegen und befinden sich jetzt auf Stufe 4: Lidl (F), Rewe (F), Kaufland (F), Sodexo (F), McDonald’s (F)
  • Die Metro AG steigt von Stufe 4 auf Stufe 5 ab (F)
  • Die Müller Gruppe liegt unverändert auf Stufe 6 (F) und beweist damit erneut, dass man hier keine Notwendigkeit sieht, den Tierschutz auf die Tagesordnung zu setzen.

Erschreckend ist, dass die meisten Unternehmen im »Impact Rating« die schlechteste Note F erhalten haben. Obwohl der Schutz landwirtschaftlich genutzter Tiere bereits seit Jahren ein wichtiges Thema ist, können diese Unternehmen noch immer nicht zeigen, dass sie das Tierschutzniveau in ihren Betrieben und/oder Lieferketten wirklich verbessern.

Fazit

Veröffentlichungen wie der BBFAW sind sehr wichtig, um Unternehmen anhand ihrer Leistung und Wirkung miteinander vergleichen zu können. So liefert der BBFAW wichtige Erkenntnisse sowohl für die Unternehmen selbst als auch für Investoren und Stakeholder.

Der diesjährige BBFAW zeigt dank des neuen Impact Ratings, dass es für die Unternehmen noch viel zu tun gibt, um die Diskrepanz zwischen formulierten Zielen und tatsächlich bewirkten Verbesserungen für die Tiere zu verringern. Dass die Mehrzahl der in Deutschland vertretenen Unternehmen hier nur die schlechteste Note F erreicht, ist enttäuschend. Wir sind gespannt, welche Unternehmen im nächsten Ranking zeigen können, dass sie das Leid in ihren Lieferketten tatsächlich lindern und wohlklingenden Worten auch konkrete Taten folgen lassen.