Eiprodukte: Käfigfrei mit KAT
Wer in deutschen Supermärkten Eier kauft, kann sich meist darauf verlassen, dass sie aus käfigfreier Haltung stammen. Dafür sorgt KAT – ein System zur Herkunftssicherung und Rückverfolgbarkeit von Eiern. Die allermeisten Schaleneier im deutschen Einzelhandel sind bereits KAT-zertifiziert – bei Eiern, die als Zutat in Backwaren, Nudeln, Saucen oder Fertiggerichten enthalten sind, gibt es jedoch noch deutliches Ausbaupotenzial, damit Käfighaltung endgültig ausgelistet werden kann.
Was ist KAT – und warum ist es so wichtig?
KAT ist ein unabhängiges Zertifizierungssystem, das von der gleichnamigen Organisation (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V.) aufgebaut wurde, um Eierbetrug zu verhindern. Früher wurden nämlich Käfigeier häufig als Freiland- oder Bioeier vermarktet. Das KAT-System verhindert solche Manipulationen durch unabhängige Kontrollen der höheren Standards und durch seine Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette.
Heute handelt der deutsche Lebensmitteleinzelhandel bei Schaleneiern fast ausschließlich mit KAT-zertifizierter Ware. Ausnahmen gibt es nur, wenn ein einzelner Markt auf einen Lieferanten aus der Region zurückgreift, der nicht am KAT-System teilnimmt. Das kommt nach unseren Informationen insbesondere bei EDEKA ab und an vor.
Besonders wichtig: Auch ausländische Produzenten – insbesondere aus den Niederlanden – nehmen an KAT teil, um Eier auf dem deutschen Markt verkaufen zu können. Das ist bedeutsam, denn wer bei KAT mitmacht, verpflichtet sich zu Standards, die in vielen anderen EU-Ländern noch nicht gesetzlich vorgeschrieben sind:
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Kein Schnabelkürzen bei Legehennen
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Kein Töten männlicher Küken
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Käfigverbot – auch in der Junghennenaufzucht
Der Punkt zur Junghennenaufzucht wird oft übersehen: Werden Junghennen in Käfigen aufgezogen, leiden sie nicht nur dort – sie lernen auch nicht so gut, sich in alternativen Haltungssystemen zurechtzufinden. Das beeinträchtigt ihr Wohlbefinden dauerhaft. KAT schließt diese Lücke.
Das Problem: Eiprodukte fallen durchs Raster
Während KAT bei Schaleneiern zum Branchenstandard geworden ist, gilt das für verarbeitete Eier – also flüssige, gefrorene oder getrocknete Eier als Zutat in Lebensmitteln – noch nicht. Hier lauern zwei Risiken:
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Käfigware aus dem Ausland: In Deutschland ist die Käfighaltung von Legehennen in absehbarer Zeit Geschichte. Kaufen verarbeitende Unternehmen jedoch günstige Eier aus dem Ausland ein, erhalten sie womöglich Eier aus Käfighaltung (falsch oder richtig deklariert). Falls sie doch Eier aus alternativer Haltung bekommen, dann häufig mit den Problemen Kükentöten und Schnabelkürzen.
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Undurchsichtige Lieferkette: Selbst wenn Unternehmen KAT-zertifizierte Eier bestellen, kann es sein, dass Lieferanten Käfigware liefern. Zum Beispiel, indem sie denselben Einkaufsnachweis für KAT-Eier gegenüber mehreren Kunden verwenden. In der Branche spricht man manchmal von der »wundersamen Vermehrung von KAT-Eiern«.
Die Lösung: KAT richtig anwenden
Das KAT-System kann auch bei verarbeiteten Eiern funktionieren – aber nur, wenn Unternehmen es vollumfänglich nutzen. Der entscheidende Schritt: Abnehmer müssen KAT konkrete Artikelnummern und Mengen melden.
Nur so kann KAT die gesamte Lieferkette rückwärts bis zum Stall nachvollziehen – und sicherstellen, dass die gemeldeten Mengen auch wirklich dort produziert wurden. Ohne diese präzisen Informationen bleibt das System löchrig.
Das bedeutet in der Praxis für Unternehmen:
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Beschaffung: Eiprodukte ausschließlich bei KAT-zertifizierten Lieferanten einkaufen – und das öffentlich kommunizieren, um das System weiter zu etablieren.
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Datenpflege: Artikelnummern und Einkaufsmengen systematisch erfassen und an KAT melden – damit die Rückverfolgbarkeit bis zum Stall tatsächlich gewährleistet werden kann.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt
Derzeit ist der Eiermarkt angespannt. Um Engpässe zu vermeiden, greifen manche Unternehmen auf Ware zurück, die sie unter anderen Umständen nicht kaufen würden. Das macht Veränderungen aktuell schwierig – zeigt aber umso mehr, wie wichtig sie mittelfristig sind.
Doch jede Krise geht einmal vorbei und Unternehmen können jetzt die Weichen stellen, um für die Zukunft gerüstet zu sein und ihre Standards auch in schwierigen Zeiten halten. Das System ist etabliert und funktioniert. Es muss nur richtig genutzt werden.