Masthuhn-Report 2026: Jetzt zählt die Umsetzung
Zahlreiche Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft haben sich verpflichtet, die Kriterien der Masthuhn-Initiative umzusetzen. Für viele ist 2026 die selbst gesetzte Frist abgelaufen. Unser Masthuhn-Report 2026 zeigt, welche Unternehmen ihre Versprechen eingelöst haben, wer Fortschritte macht und wer hinter seinen Zielen zurückbleibt.
Wo steht die Lebensmittelwirtschaft?
Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede: Während manche Unternehmen deutliche Fortschritte machen und einige ihre Selbstverpflichtungen bereits vollständig umgesetzt haben, kommen andere kaum voran. Häufig fehlen konkrete Umsetzungspläne oder aussagekräftige Fortschrittsberichte.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Verpflichtung ja, Umsetzung mangelhaft: 45 der 64 untersuchten Unternehmen (70 %) haben sich zur Masthuhn-Initiative bekannt. Ihr gewichteter durchschnittlicher Umsetzungsfortschritt liegt jedoch nur bei rund 20 %.
- Größter Schwachpunkt sind die Zuchtlinien: Der Umstieg auf langsamer wachsende Zuchtlinien ist am wenigsten fortgeschritten. Bei zuverlässigen Betäubungsverfahren und unabhängigen Audits sind die Unternehmen weiter.
- Transparenz und Strategie fehlen häufig: Zwei Drittel der Unternehmen, die einen konkreten Umsetzungsplan haben sollten, tun dies nicht. Etwa ein Viertel der Unternehmen, die Fortschrittsberichte versprochen haben, veröffentlichen keine.
- Vorreiter zeigen, dass es geht: Hans im Glück, Yorma’s und 60 seconds to Napoli erfüllen bereits sämtliche Kriterien der Masthuhn-Initiative. Auch Dr. Oetker und Frosta sind auf einem guten Weg.
- Einige der großen Unternehmen bleiben zurück: Unter anderem McDonald’s, Burger King und Rothkötter haben sich bislang nicht zur Masthuhn-Initiative verpflichtet. Nestlé, Rügenwalder Mühle und Genuss & Harmonie haben ihre Selbstverpflichtungen zurückgezogen.
- MHI-konformes Hühnerfleisch ist verfügbar: Fünf der sieben untersuchten Produzenten bieten bereits entsprechende Ware an. Entscheidend ist nun, die Produktion auszuweiten und die Umstellung in den Lieferketten voranzutreiben.
Branchenvergleich: Vorreiter und Nachzügler
Wie weit sind die Unternehmen in den einzelnen Branchen? Unsere Kurzanalysen nennen Vorreiter, Nachzügler und den Handlungsbedarf. Ausführliche Branchen- und Unternehmensanalysen finden Sie im Report.
Lebensmitteleinzelhandel: Große Marktmacht, langsame Umsetzung
Der Lebensmitteleinzelhandel hat durch seine Einkaufsmacht großen Einfluss auf die Haltungsbedingungen von Masthühnern. Erfreulich ist deshalb, dass sich mittlerweile 14 der 17 untersuchten Händler zur Masthuhn-Initiative verpflichtet haben. Gemessen am Umsatz repräsentieren sie rund 97 % der Branche. Die Umsetzung kommt allerdings nur langsam voran. Zudem unterscheiden sich die Selbstverpflichtungen hinsichtlich ihres Geltungsbereichs und ihrer Verbindlichkeit.
Aldi Süd erzielt das beste Gesamtergebnis im Lebensmitteleinzelhandel und überzeugt insbesondere mit einer ausführlichen Roadmap und transparenter Berichterstattung. Neu zur Masthuhn-Initiative hinzugekommen sind 2026 Wasgau und Hit. Dagegen haben sich Famila Nordost (Bartels-Langness), K+K Klaas & Kock sowie Netto ApS & Co. KG bisher nicht zu mehr Tierschutz für Masthühner bekannt.


Contract Catering: Hohe Beteiligung, wenig Transparenz
Contract Caterer versorgen täglich viele Menschen. Auch sie können einen wichtigen Beitrag leisten.
Zwölf der 15 untersuchten Contract Caterer unterstützen die Masthuhn-Initiative. Dennoch erreicht keines der Unternehmen 40 % der möglichen Punkte. Die Gründe: geringe Umsetzungsfortschritte, fehlende Roadmaps und mangelnde Transparenz. Nur sechs Caterer berichten so über ihre Fortschritte, dass sie dafür Punkte erhalten. Häufig beziehen sich ihre Angaben auf Sortimentsanteile statt auf die tatsächlich umgestellten Warenmengen.
Ein positives Signal setzt Menü 2000: Das Unternehmen ist der Initiative neu beigetreten und legt bereits einen Fortschrittsbericht vor, obwohl es dazu im ersten Jahr noch nicht verpflichtet ist. Dagegen hat Genuss & Harmonie seine Selbstverpflichtung zurückgezogen.

Hersteller: Schlüsselposition in der Lieferkette
Lebensmittelhersteller nehmen als Schnittstelle zwischen Produzenten, Handel und Gastronomie eine wichtige Rolle bei der Umstellung der Lieferketten ein. Die Ergebnisse zeigen allerdings große Unterschiede zwischen den Unternehmen.
Von neun bewerteten Unternehmen haben sich fünf dazu verpflichtet, die Kriterien der Masthuhn-Initiative umzusetzen. Dr. Oetker und Frosta erzielen besonders gute Ergebnisse und machen kontinuierlich Fortschritte bei der Umsetzung der MHI-Standards. Beide Unternehmen zeigen, dass sich höhere Tierschutzanforderungen trotz des Preisdrucks in der Lebensmittelwirtschaft voranbringen lassen. Ein Rückschritt ist dagegen der Ausstieg von Nestlé und Rügenwalder Mühle aus der Masthuhn-Initiative.

Systemgastronomie: Kleinere Ketten liefern, die großen bremsen
In der Systemgastronomie klafft eine besonders große Lücke zwischen Vorreitern und Nachzüglern. Hans im Glück, Yorma's und 60 seconds to Napoli haben sämtliche Kriterien der Masthuhn-Initiative bereits vollständig umgesetzt. Im Rest der Branche läuft die Umsetzung eher schleppend.
Sechs der 16 untersuchten Unternehmen haben sich bislang nicht zur Masthuhn-Initiative verpflichtet. Besonders kritisch ist die fehlende Beteiligung der Marktführer: McDonald's und Burger King, die zusammen rund die Hälfte des Umsatzes der 100 größten Systemgastronomen erwirtschaften. Dabei zeigen die drei Vorreiter, dass eine vollständige Umsetzung auch unter schwierigen Marktbedingungen möglich ist.

Produzenten: Hier werden die Weichen gestellt
Die Fleischproduzenten spielen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Masthuhn-Initiative. Sie müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Handel, Hersteller und Gastronomie ausreichend MHI-konformes Hühnerfleisch beziehen können.
Bei den Produzenten berücksichtigt die Bewertung, ob sie MHI-konformes Hühnerfleisch anbieten. Vier der sieben untersuchten Unternehmen erhalten dafür die volle Punktzahl in der Kategorie Umsetzung. TLC Landgeflügel hat sich sogar verpflichtet, die Kriterien in seiner gesamten Lieferkette umzusetzen. Borgmeier liefert ebenfalls MHI-konforme Ware, hat jedoch keine entsprechende Selbstverpflichtung abgegeben.
Insgesamt zeigen die fünf Produzenten, dass MHI-konformes Hühnerfleisch bereits verfügbar ist. Entscheidend ist nun, die entsprechenden Produktionskapazitäten weiter auszubauen. Neben Borgmeier haben sich auch Rothkötter und Sprehe bislang nicht zur Masthuhn-Initiative verpflichtet.

Teilen Sie den Report: Diese und weitere Grafiken sowie Textvorschläge für Ihre Beiträge finden Sie im Social-Media-Kit.
Die Masthuhn-Initiative: Höhere Standards für Millionen Hühner
Jedes Jahr werden in Deutschland rund 640 Millionen Masthühner geschlachtet. Viele dieser Tiere – vor allem in den Haltungsformen 1 und 2 – leiden unter den Folgen von Qualzucht, problematischen Haltungsbedingungen und bei der Schlachtung. Die Masthuhn-Initiative setzt genau hier an. Sie formuliert wissenschaftlich fundierte Mindeststandards, die das Leid der Tiere deutlich verringern:
-
mehr Platz: Eine geringere Besatzdichte (max. 30 kg/m2) verbessert die Bewegungsmöglichkeiten der Tiere.
-
Verzicht auf Qualzucht: Der Einsatz langsamer wachsender, gesünderer Zuchtlinien reduziert Gesundheitsprobleme.
-
mehr Sitzstangen und Beschäftigung: Sie ermöglichen es den Hühnern, wichtige natürliche Verhaltensweisen auszuleben.
-
maximal einmaliges Vorgreifen: Das vorzeitige Einfangen eines Teils der Tiere erfolgt höchstens einmal pro Mastdurchgang
-
zuverlässiges Betäubungsverfahren: Methoden wie die mehrstufige CO2-Betäubung reduzieren Fehlbetäubungen sowie Schmerzen und Stress vor der Tötung nachweislich.
-
Kontrollen: Regelmäßige Audits durch unabhängige Dritte machen die Einhaltung der Standards nachvollziehbar.
Masthuhn-Initiative und Haltungsform
Die Haltungsformen 3 und 4 können in Deutschland als Weg zur Umsetzung der Masthuhn-Initiative anerkannt werden, sofern zusätzlich die Anforderungen an die Betäubung erfüllt werden. Haltungsform 5 (Bio) ist dagegen nicht automatisch gleichwertig, da dort der Einsatz schnell wachsender Zuchtlinien möglich ist.
Die Masthuhn-Initiative bietet Unternehmen einen einheitlichen, branchenübergreifenden Rahmen für mehr Tierschutz. Wer die Umstellung frühzeitig plant und konsequent vorantreibt, schafft Planungssicherheit, stärkt die Zusammenarbeit mit Lieferanten und kann sich besser auf künftige Anforderungen einstellen. Transparente Fortschritte stärken zudem die Glaubwürdigkeit gegenüber Geschäftspartnern und Öffentlichkeit.
Mehr als 110 Lebensmittelunternehmen in Deutschland haben sich bereits verpflichtet, die Kriterien der Masthuhn-Initiative umzusetzen.
Die Zeit zu handeln ist jetzt
Für viele Unternehmen war 2026 ursprünglich das Zieljahr, um die Kriterien der Masthuhn-Initiative vollständig umzusetzen. Die meisten haben ihre Frist inzwischen auf 2030 verschoben. Damit dieses Ziel nicht erneut verfehlt wird, müssen sie jetzt handeln.
Die Umstellung braucht Zeit: Lieferketten müssen angepasst, Stallkapazitäten geschaffen und die Verfügbarkeit langsamer wachsender Zuchtlinien sichergestellt werden. Dafür braucht es verbindliche Maßnahmen, klare Zwischenziele und eine transparente Berichterstattung. Die Vorreiter im Masthuhn-Report zeigen, dass das möglich ist.
Wer jetzt handelt, kann die Umstellung aktiv gestalten. Wer weiter abwartet, riskiert, erneut hinter den eigenen Zusagen zurückzubleiben.
„Für uns war die Entscheidung nie eine Frage des ‚Ob‘, sondern des ‚Wie schnell‘. Unsere Gäste erwarten, dass wir bei Zutaten und Herkunft sowie bei Tierwohl eine klare Haltung zeigen – konsequent, transparent und nachvollziehbar. Eine Anspruchshaltung, die übrigens immer weiter zunimmt. Über eine zentral gesteuerte Beschaffung konnten wir die Umstellung in allen Burgergrills in Deutschland, Österreich und den Niederlanden umsetzen, ohne unsere Franchisepartner mit Einzelentscheidungen zu belasten.“
– Katrin Hoffmann, Director Purchasing & Product Management, Hans im Glück
Die Albert Schweitzer Stiftung unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung der Masthuhn-Initiative – etwa durch individuelle Beratung, die gemeinsame Entwicklung von Roadmaps und den Austausch innerhalb der Branche. Sprechen Sie mit uns über die nächsten Schritte.
Grundlage der Bewertung sind die öffentlich verfügbaren und von den Unternehmen bereitgestellten Informationen. Maßstab sind die Kriterien der Masthuhn-Initiative.
Die Bewertung berücksichtigt vier Kategorien (Anteil am Gesamtergebnis in Klammern):
- Umsetzung (60 %): Wie weit ist die Umsetzung der einzelnen MHI-Kriterien vorangeschritten?
- Commitment (20 %): Hat sich das Unternehmen zu den Kriterien der Masthuhn-Initiative verpflichtet?
- Reporting (12 %): Berichtet das Unternehmen nachvollziehbar und vollständig über seine Fortschritte?
- Roadmap (8 %): Gibt es einen konkreten Plan mit Maßnahmen, Zwischenzielen und Fristen für die Umsetzung?
Da 2026 für viele Unternehmen das ursprüngliche Zieljahr war, gewichtet der Report die Umsetzung stärker als in den Vorjahren. Sie macht 60 % der Gesamtbewertung aus. Besonders wichtig sind dabei die Umstellung auf gesündere, langsamer wachsende Zuchtlinien und die Reduktion der Besatzdichte: Beide MHI-Kriterien zählen innerhalb der Umsetzung zehnfach, alle anderen einfach.
Eine Selbstverpflichtung bleibt wichtig, kann aber fehlende Fortschritte nicht ersetzen.
Mehr Informationen zur Methodik finden Sie im Report.