Mehr Tierschutz in der Betriebsgastronomie
Mit Menü 2000 übernimmt ein weiterer großer Akteur der Gemeinschaftsverpflegung Verantwortung für mehr Tierschutz in seiner Lieferkette. Das Papenburger Unternehmen hat sich der Masthuhn-Initiative angeschlossen und will bis Ende 2030 deren Kriterien für seine Hühnerfleischprodukte umsetzen.
Der Schritt hat Gewicht. Menü 2000 gehört nach eigenen Angaben zu den größten Betriebsgastronomen Deutschlands. Das Unternehmen betreibt mehr als 240 Betriebsrestaurants und bewirtet täglich über 60.000 Gäste.
Mehr als 10 % des Verbrauchsvolumens bereits umgestellt
Menü 2000 startet dabei nicht bei Null: Bereits zum Zeitpunkt des Beitritts entsprechen mehr als 10 % des Verbrauchsvolumens von Hühnerfleischprodukten den Kriterien der Masthuhn-Initiative.
Die Masthuhn-Initiative setzt bei einigen der gravierendsten Tierschutzprobleme in der Hühnermast an: der Einsatz von auf extremes Wachstum ausgerichteten Rassen, hohe Besatzdichten, eine reizarme Haltungsumgebung sowie Probleme bei der Betäubung vor der Schlachtung. Die Kriterien der Masthuhn-Initiative sehen dagegen vor:
- geringere Besatzdichte von max. 30 Kilogramm pro Quadratmeter
- Verwendung von robusteren, langsamer wachsenden Zuchtlinien, die insgesamt gesünder sind
- mindestens zwei Meter Sitzstangen und zwei Pickmöglichkeiten pro 1000 Tiere
- zuverlässige Betäubung ohne Kopfüberhängen
- Audits durch unabhängige Dritte
In der Beitrittserklärung formuliert Menü 2000 das Ziel, bis spätestens Ende 2030 alle betreffenden Produkte auf die MHI-Kriterien umzustellen. Die Verpflichtung gilt für deutsche Standorte und Sortimente, bei denen der Caterer selbst die Einkaufs- und Sortimentsverantwortung trägt.
AuftraggeberInnen entscheiden mit
Wo AuftraggeberInnen bei Sortimenten, Budgets oder Produktstandards mitentscheiden, will Menü 2000 die Umstellung aktiv in die Angebotserstellung und Beratung einbringen. Diese Einschränkung zeigt eine wichtige Herausforderung der Gemeinschaftsverpflegung: Höhere Tierschutzstandards lassen sich besonders wirksam umsetzen, wenn Caterer und AuftraggeberInnen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Unternehmen, die Verpflegungsleistungen ausschreiben oder bestehende Verträge weiterentwickeln, können entsprechende Kriterien ausdrücklich in ihre Anforderungen aufnehmen. So entsteht Nachfrage, die wiederum den Aufbau geeigneter Lieferketten beschleunigt.
Weniger Fleisch, höhere Standards
Positiv ist zudem, dass Menü 2000 höhere Tierschutzstandards mit einer Reduktion von Tierprodukten verbindet. Nach Unternehmensangaben entfallen bereits 58 % des Einkaufsvolumens auf nicht-tierische Proteine. Bis 2030 will der Caterer sein Einkaufsvolumen an Fleisch um insgesamt 25 % reduzieren.
Damit verfolgt Menü 2000 einen Ansatz, den auch die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt Unternehmen empfiehlt:
- das pflanzliche Angebot ausbauen
- weniger Tierprodukte einsetzen
- Tierschutzstandards für Tierprodukte erhöhen
Unternehmen, die ihre Proteinstrategie systematisch weiterentwickeln möchten, unterstützt die Stiftung mit dem Programm Plant Potential.
Caterer können Tierschutz voranbringen
Der Beitritt von Menü 2000 zeigt zugleich anderen Unternehmen der Gemeinschaftsverpflegung, wo sie ansetzen können: den Status quo messen, ein verbindliches Ziel formulieren, die Beschaffung schrittweise umstellen und AuftraggeberInnen aktiv einbeziehen. Gerade große Caterer verfügen durch ihre Einkaufsmengen über erheblichen Einfluss auf die Lieferkette. Wer diesen nutzt, kann dazu beitragen, höhere Tierschutzstandards in der Hühnermast zum neuen Marktstandard zu machen.