Catering Report 2026: Proteinwende ohne Kennzahlen
Pressemitteilung
Der heute veröffentlichte Plant Potential Catering Report 2026 zeigt: Zwar wollen 13 der 15 umsatzstärksten Contract Caterer in Deutschland mehr pflanzliche Angebote, doch es fehlt an Messung und Steuerung. Ab 2027 wird die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt die Fortschritte deshalb in einem jährlichen Ranking transparent und vergleichbar machen.
„Die Proteinwende wird in der Branche noch nicht mitgedacht. Der Wille zur Veränderung ist zwar da, und wir haben gute Einzelmaßnahmen vorgefunden. Es fehlen aber fast durchweg messbare Ziele und belastbare Protein-Split-Berichte“, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.
Für den Catering Report 2026 hat die Albert Schweitzer Stiftung die öffentliche Kommunikation der 15 umsatzstärksten Contract Caterer in Deutschland untersucht. Im Fokus stand die Frage, ob die Proteinwende langfristig verankert, messbar und über wirksame Instrumente wie Menüplanung, Preisgestaltung und Gästesteuerung systematisch vorangetrieben wird.
Die Analyse betrachtet unter anderem die Orientierung an wissenschaftlichen Ernährungsleitlinien, Ziele zur Reduktion tierischer Produkte, den Ausbau pflanzlicher Angebote, den Ausschluss des sogenannten White-Meat-Shifts, die Transparenz beim Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen Proteinen sowie konkrete Umsetzungsmaßnahmen.
Caterer setzen auf pflanzliche Angebote, bleiben bei Zielen jedoch vage
Laut Report wollen 13 Caterer ihr pflanzliches Angebot ausbauen, elf signalisieren Reduktionsbereitschaft bei tierischen Produkten – allerdings meist ohne konkrete, messbare Zielmarke. Zudem bleibt der Fokus häufig auf Fleisch beschränkt, während Molkereiprodukte und Eier nur bei sechs Caterern strategisch einbezogen werden.
Acht Unternehmen veröffentlichen zwar Angaben zu vegetarischen oder veganen Angeboten, doch aussagekräftige Protein-Split-Berichte auf Basis der tatsächlich eingekauften oder verarbeiteten Warenmengen fehlen komplett.
Auch dort, wo Unternehmen eine Orientierung an den Empfehlungen der DGE oder der Planetary Health Diet kommunizieren, fehlt es häufig an Transparenz: Welche Vorgaben tatsächlich umgesetzt werden, bleibt in vielen Fällen unklar.
„Trotz des deutlichen Verbesserungspotenzials signalisiert die Branche, dass sie sich in Richtung einer nachhaltigeren Ernährung bewegen will“, kommentiert Esther Erhorn die Ergebnisse. „Wettbewerb, Klimaziele und Kosteneffizienz erhöhen den Druck, verbindliche Protein-Ziele in Einkauf, Rezepturen, Preisarchitektur und Menüplanung zu verankern. Wer zukunftsfähig bleiben will, muss Strategien entwickeln und transparent über Fortschritte berichten. Darauf wollen wir gemeinsam mit den Unternehmen hinarbeiten.“
Laut Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat nutzen in Deutschland täglich rund 16 Millionen Menschen die Angebote der Gemeinschaftsverpflegung1. Diese Zahl unterstreicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz der Proteinwende im Catering. Letztlich entscheidet sich beim täglichen Gang in die Kantine, was Menschen als normales, attraktives und bezahlbares Essen wahrnehmen.
Gute Ansätze bei Sodexo, Primus und Klüh
Einzelne Unternehmen zeigen bereits, wie die strukturelle Veränderung aussehen kann: Sodexo arbeitet mit einem Baukastenprinzip, bei dem Gerichte grundsätzlich pflanzlich gedacht und tierische Komponenten optional ergänzt werden.
Primus nutzt den Preis gezielt als Steuerungsinstrument und bietet pflanzenbasierte Gerichte günstiger an als Fleischoptionen. Klüh wiederum hat eine vegetarische Menülinie verpflichtend in allen Betriebsrestaurants eingeführt.
Tierschutzproblem: White-Meat-Shift bleibt unterschätzt
Blinde Flecken zeigen sich noch beim sogenannten White-Meat-Shift, also der Verlagerung von rotem Fleisch wie Rind oder Schwein hin zu Geflügel oder Fisch. Bei den meisten Caterern bleibt offen, ob die eigenen Klimaziele eine Reduktion der Gesamtmenge an Fleisch oder lediglich eine Verschiebung innerhalb der Fleischkategorien vorsehen.
Durch einen White-Meat-Shift lässt sich zwar die eigene Klimabilanz verbessern, gleichzeitig steigt damit jedoch die Zahl der Tiere, die für dieselbe Fleischmenge gehalten und getötet werden müssen. Wer Fleisch reduzieren will, ohne mehr Tierleid in Kauf zu nehmen, muss diesen Effekt also mitdenken. Bislang haben das nur Apetito und Sodexo erkennbar berücksichtigt.
Proteinwende als Wettbewerbsfaktor: Plant Potential Catering Ranking kommt 2027
Der diesjährige Report macht sichtbar, wo die Catering-Branche bei der Proteinwende steht und welche Schritte jetzt nötig sind. Ab 2027 wird die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt deshalb jährlich ein Ranking veröffentlichen.
„Das Plant Potential Catering Ranking 2027 wird Zielsetzungen, Transparenz und Maßnahmen der Unternehmen unmittelbar vergleichbar machen“, kündigt Esther Erhorn an. „Wer jetzt klare Vorgaben formuliert und die eigene Weiterentwicklung offen dokumentiert, stärkt seine Ausgangsposition und schafft Vertrauen bei Gästen, Auftraggebern und Öffentlichkeit. Die Albert Schweitzer Stiftung begleitet die Unternehmen im Rahmen von Plant Potential kostenfrei bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Strategien. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einer Branche, die für die Zukunft der Ernährung in Deutschland eine Schlüsselrolle spielt.“
Bild- und Textmaterial zur freien Verwendung
- Plant Potential Catering Report 2026 als PDF
- Infografiken und Bilder zum Plant Potential Catering Report
- Foto: Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Über Plant Potential
Plant Potential ist das Beratungsprogramm der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. Es unterstützt Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft dabei, den Anteil tierischer Produkte zu reduzieren, pflanzliche Angebote strategisch auszubauen und Fortschritte messbar zu machen. Dazu gehören Analysen von Menüs und Rezepturen, konkrete Maßnahmenempfehlungen, Unterstützung bei Gästekommunikation und Kennzahlen zur Wirkungsmessung. Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie unter lebensmittel-fortschritt.de/hintergrund/plant-potential.
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Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (2025). Gemeinschaftsverpflegung. https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/gemeinschaftsverpflegung/gemeinschaftsverpflegung_node.html ↩